Band 16

Das Bewußtsein – philosophische, psychologische und physiologische Aspekte

Klaus Wellner, Franz Seitelberger, Erhard Oeser, Johann J. Gestering, Georges Goedert, Barbara Neymeyr, Endre Kiss, Rafael Capurro, Wiebrecht Ries, Renate Bauer

219 Seiten | 1994 | ISBN 3-923834-14-4 | 15,00 €

Aus der Einladung zu der Tagung vom 24. bis 27. September 1992

Der Begriff »Bewußtsein« ist aus unserer Sprach- und Vorstellungswelt nicht mehr wegzudenken. Dennoch ist das Wort »Bewußtsein« erst durch Christian Wolffs 1719 erschienenes Buch über Metaphysik »Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt« in Erscheinung getreten. Die ihm vorhergehenden lateinischen und englischen bzw. französischen Begriffe »conscientia« und »conscience« (»conscienceness«) bedeuten ursprünglich nur »Gewissen«. Hierin deutet sich eine über den psychologisch-biologischen Bereich hinausgehende Bedeutung des Bewußtseins an, die auch auf die moralische, religiöse und kulturgeschichtliche Sphäre verweist. Schon bald hat das Bewußtsein, ausgehend von Descartes‘ Gleichsetzung von »cogitatio« und »conscientia«, eine zentrale Stelle in der Philosophie und Psychologie erreicht und spielt in der Erkenntnis- und Moralphilosophie des deutschen Idealismus die Hauptrolle. Schopenhauer setzt in seiner Ablehnung des deutschen Idealismus dem verabsolutierten Bewußtseins-Begriff die Macht des dunklen, triebhaften Willens entgegen. Von hier aus wird immer zugleich dem Bewußtsein das Unbewußte in allen Überlegungen und Untersuchungen gegenübergestellt. Auch uns beschäftigen noch immer Fragen aus dem Problemkreis der Entstehung des Bewußten aus dem Nicht-Bewußten. Aber außer solchen Entwicklungs- und Evolutionsproblemen rücken vor allem die hirnphysiologischen Untersuchungen zunehmend in den Mittelpunkt. Man versucht zu erforschen, wie bewußtes Handeln und Denken, aber auch das Bewußtsein selbst vom menschlichen Gehirn geleistet werden.

Deswegen will die FREIE AKADEMIE in einer Arbeitstagung die unterschiedlichen Aspekte der bisher unternommenen Anstrengungen einer Selbstaufklärung des Bewußtseins aufzeigen und die Bedeutung der Thematik herausstellen.

 
Die Referate dieser Tagung wurden in Band 16 der Schriftenreihe der FREIEN AKADEMIE veröffentlicht

KLAUS WELLNER
Reflexionen bezogen auf eine Phänomenologie des Bewußtseins

FRANZ SEITELBERGER
Zum Entstehen und Geschehen des Bewußtseins – Ein neurobiologischer Beitrag

ERHARD OESER
Die kognitive Wende und die Rückkehr des Bewußtseins – Integrationsmöglichkeiten multidimensionaler Bewußtseinskonzepte in den Kognitionswissenschaften

JOHANN J. GESTERING
Über den Umgang mit Bewußtsein – Jean Gebser und der indische Buddhismus

GEORGES GOEDERT
Schopenhauer, Nietzsche – Das SELBST-Bewußtsein oder Vom Ich zum Selbst

BARBARA NEYMEYR
Selbstbewußtsein ohne Selbst? – Zur Bewußtseinsproblematik in Schopenhauers Ästhetik

ENDRE KISS
Die Neukonstitution der philosophischen Wissenschaften als Nietzsches Lösung des Bewußtseinsproblems

RAFAEL CAPURRO
Bewußtsein oder Dasein?

WIEBRECHT RIES
»Metaphysik der autonomen Schatten« – Zum Problem des Bewußtseins in Fernando Pessoas »Buch der Unruhe«

RENATE BAUER
Die Zukunft des Bewußtseins – Science Fiction und ihre Phantasien

KLAUS WELLNER
Die Rolle des Bewußtseins für die Entwicklung des objektiven Geistes