Band 11

Aufklärung und Postmoderne – 200 Jahre nach der französischen Revolution das Ende aller Aufklärung?

Wolfgang Welsch, Wiebrecht Ries, Henning Ottmann, Klaus Wellner, Reinhard Knodt, Reinhard Margreiter, Rafael Capurro, Reinhart Maurer, Volker Gerhardt, Günter Dux, Hubertus Mynarek

220 Seiten | 1991 | ISBN 3-923834-09-8 | vergriffen

Aus der Einladung zur Tagung vom 3. bis 6. November 1988

In letzter Zeit ist häufig vom Ende der Moderne als dem Ende der Geschichte die Rede, was wohl das Ende bestimmter politischer und wissenschaftlicher Utopien bedeuten muß.Dieser Abgesang auf die Moderne richtet sich eindeutig gegen die Aufklärung mit ihren Ideen Vernunft, Emanzipation und Subjektivität. Besonders deutlich tritt diese Wende im Mißtrauen gegen die Technologie-Konzepte hervor. Das moderne Zeitalter versteht sich im Wesentlichen aus dem Grundgedanken der Aufklärung. Ihre Realisation beginnt mit der Französischen Revolution. Gegen die bisherige Herrschaft der Religion wird die autonome Vernunft eingesetzt. Daraus folgt eine Diktatur der totalitären Vernunft in der Gestalt naturwissenschaftlicher Rationalität. Mit dem Ungenügen an diesem Wirklichkeitskonzept und mit der beginnenden Ahnung seines praktischen Scheiterns bröckelt der Glaube an die eine Vernunft und an die eine Sprache ab. Daher sprechen die Vertreter der Postmoderne davon, daß die Idee einer Herrschaft der Vernunft verfehlt sei. Sie konstatieren mit dem Scheitern der Moderne eine Zertrümmerung der Vernunft und deklarieren die Heraufkunft der Beliebigkeit. Eine Folge dieses Umbruchs könnte sein, daß sich der bisherige Gedanke einer Einheit aller Wissenschaften in der bislang angestrebten Form nicht mehr aufrecht erhalten läßt. Geistesgeschichtlich entdecken die Theoretiker der Postmoderne einen Nihilismus, der sich gegen die Hoffnung auf eine bessere Welt richtet. Sie verzichten damit auf das gedankliche Schema vom Fortschritt. Angesichts des Streits um das Verhältnis von Aufklärung und Postmoderne stellt sich die Frage, ob wir bislang das, was Realität ist, ja, was die Realität ist, falsch gedacht haben.

 
Die Referate dieser Tagung wurden in Band 11 der Schriftenreihe der FREIEN AKADEMIE veröffentlicht

WOLFGANG WELSCH
Postmoderne – Pluralität als ethischer und politischer Wert

WIEBRECHT RIES
Zum Thema im Blick auf Nietzsche und Kafka

HENNING OTTMANN
Gibt es eine politische Philosophie der Postmoderne?

KLAUS WELLNER
Aufklärung und Moral – Zum Verhältnis von Moderne und Postmoderne

REINHARD KNODT
Vernunftkritik und Aufklärung – Reflexionen zu einem schwierigen Verhältnis

REINHARD MARGREITER
Mystik – moderne Verdrängung, postmoderne Wiederkehr

RAFAEL CAPURRO
Aufklärung am Ende der Moderne

REINHART MAURER
Reaktionäre Postmoderne – Zu Nicolás Gómez Dávila

VOLKER GERHARDT
Was ist ein vernünftiges Wesen?

GÜNTER DUX
Die unvollendete Aufklärung

HUBERTUS MYNAREK
Das Verhältnis von Religion und Kirche zur Aufklärung