1. Ausgangssituation

Für den einzelnen Menschen wie für Gruppen wird es angesichts der Fragwürdigkeit der traditionellen Fundamente immer schwieriger, sich im Dasein zu orientieren.

Überkommene absolute Wertsetzungen vermögen dem Selbstverständnis des heutigen Menschen genausowenig gerecht zu werden wie die Verabsolutierung des Zweifels.

Keine wissenschaftliche Disziplin und keine gesellschaftliche Gruppe kann ernsthaft für sich in Anspruch nehmen, allgemeingültige Lösungen der Probleme, vor denen wir stehen, zu kennen. Jeder einzelne, der von einer selbstverantwortlichen Lebenshaltung ausgeht, steht deshalb, wenn er sein Leben sinnvoll leben will, immer erneut vor der Notwendigkeit, sich selbst seine Orientierung im Dasein zu erarbeiten und sich die Maßstäbe seines Handelns zu bestimmen. Das kann nicht in einem Lernprozeß geschehen, der zu einer bestimmten Zeit abgeschlossen ist; dieser muß sich vielmehr in seiner Vielschichtigkeit auf das ganze Leben ausweiten und als unabschließbar akzeptiert werden. In diesem komplexen und schwierigen Orientierungsprozeß bedarf der einzelne mannigfaltiger Hilfen. Die meisten der angebotenen Hilfen sind jedoch tendenziell ausgerichtet. Sie haben einen staatlichen, weltanschaulichen, konfessionellen oder parteipolitischen Charakter und stehen im Zeichen konkurrierenden Willens, bestimmte Einzelauffassungen mehr oder weniger verbindlich durchzusetzen.