Langfassung

1. Ausgangssituation

Für den einzelnen Menschen wie für Gruppen wird es angesichts der Fragwürdigkeit der traditionellen Fundamente immer schwieriger, sich im Dasein zu orientieren. Überkommene absolute Wertsetzungen vermögen dem Selbstverständnis des heutigen Menschen genausowenig gerecht zu werden wie die Verabsolutierung des Zweifels. Keine wissenschaftliche Disziplin und keine gesellschaftliche Gruppe kann ernsthaft für sich in Anspruch nehmen, allgemeingültige Lösungen der Probleme, vor denen wir stehen, zu kennen. Jeder einzelne, der von einer selbstverantwortlichen Lebenshaltung ausgeht, steht deshalb, wenn er sein Leben sinnvoll leben will, immer erneut vor der Notwendigkeit, sich selbst seine Orientierung im Dasein zu erarbeiten und sich die Maßstäbe seines Handelns zu bestimmen. Das kann nicht in einem Lernprozeß geschehen, der zu einer bestimmten Zeit abgeschlossen ist; dieser muß sich vielmehr in seiner Vielschichtigkeit auf das ganze Leben ausweiten und als unabschließbar akzeptiert werden. In diesem komplexen und schwierigen Orientierungsprozeß bedarf der einzelne mannigfaltiger Hilfen. Die meisten der angebotenen Hilfen sind jedoch tendenziell ausgerichtet. Sie haben einen staatlichen, weltanschaulichen, konfessionellen oder parteipolitischen Charakter und stehen im Zeichen konkurrierenden Willens, bestimmte Einzelauffassungen mehr oder weniger verbindlich durchzusetzen.

2. Der Beitrag der FREIEN AKADEMIE

Die FREIE AKADEMIE ist dagegen ein unabhängiger Zusammenschluß von Personen und Vereinigungen, die sich die wissenschaftliche und kulturelle Auseinandersetzung mit den Daseins- und Wertfragen unserer Zeit zum Ziele gesetzt haben. Sie will dazu beitragen, daß wissenschaftliche und kulturelle Erkenntnisse verschiedener Fachrichtungen in die fortlaufenden Lernprozesse eingeführt werden. Insbesondere will die FREIE AKADEMIE dem einzelnen helfen, vermittelte Erkenntnisse und Einsichten zu verarbeiten und in sein Selbst- und Weltverständnis zu integrieren. Dabei geht es nicht darum, Spannungen auszuweichen oder Gegensätze zu überspielen; das wäre wirklichkeitsfremd. Es gilt vielmehr, dem Menschen inmitten von Spannungsfeldern und gegensätzlichen Interpretationen Orientierungshilfen zu geben und damit die Spannungen fruchtbar zu machen.

Die FREIE AKADEMIE sieht ihre besondere Aufgabe darin, zu interdisziplinären Kontakten und Gesprächen beizutragen. Sie ist deshalb bestrebt, vor allem jenen Wissenschaftlern aller Fachrichtungen ein Forum zu bieten, deren Arbeitsergebnisse über das jeweilige Fachgebiet hinausweisende Bedeutung besitzen. Dabei stehen die Grundfragen des Menschseins wie Probleme der Gesellschaft, Fragen nach den Zusammenhängen und strukturellen Eigenschaften der Natur und des Geistes im Vordergrund. Vor allem unter philosophischen, anthropologischen, soziologischen und religionswissenschaftlichen Aspekten bilden sich dabei Schwerpunkte heraus, in denen sich natur- und kulturwissenschaftliche Linien kreuzen und die einzelnen Disziplinen lebensnah zusammenzuwirken vermögen. Zwischen den einzelnen Wissenschaften, Kunstrichtungen, Welt- und Lebensentwürfen, zwischen Wissen, Kunst und Glauben, zwischen Theorie und Praxis und auch zwischen den Generationen treten stets Spannungen auf. Diese können das Leben stören, wenn die Fähigkeiten und Kräfte, sie zu verarbeiten, unterentwickelt bleiben. Die FREIE AKADEMIE sucht daher in ihrem Kreis ein Feld der Entfaltung dieser Kräfte zu schaffen. Sie will damit gleichzeitig eine Stätte menschlicher Begegnung sein.

3. Die FREIE AKADEMIE als unabhängige Bildungseinrichtung

Nach der Formulierung des Deutschen Bildungsrates wird Bildung verstanden als das »ständige Bemühen, sich selbst, die Gesellschaft und die Welt zu verstehen und diesem Verständnis gemäß zu handeln«. Die FREIE AKADEMIE versteht sich als Bildungseinrichtung in diesem Sinne.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Bildungsstätten ist die FREIE AKADEMIE nicht die Einrichtung einer Kirche oder Partei. Sie wird vielmehr von einem Mitgliederkreis getragen und stellt insofern eine »Bürgerinitiative für Bildung« dar. Die FREIE AKADEMIE ist weltanschaulich und politisch unabhängig und vertritt keine religiösen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gruppeninteressen. Sie vertritt eine vorurteilslos liberale Position und nennt sich aus diesem Grunde »FREIE AKADEMIE «.

Diesem Selbstverständnis gemäß wendet sich die FREIE AKADEMIE an alle Menschen und Gruppen, die bereit sind zum sachlich und tolerant geführten Gespräch. Dabei wird eine Gesprächsform angestrebt, die gekennzeichnet ist durch den Willen zum Verständnis abweichender Positionen und ihres Wahrheitskernes, dementsprechend durch die Bereitschaft, jeweils eigene Positionen zu relativieren. Die FREIE AKADEMIE ist damit der Auffassung, daß »Wahrheit« nur im Dialog erreicht werden kann.

4. Die Arbeitsweise

Zur Verwirklichung ihrer Ziele führt die FREIE AKADEMIE Veranstaltungen durch, gibt Veröffentlichungen heraus und arbeitet mit anderen Gruppen zusammen.

Die meisten Veranstaltungen sind Arbeitstagungen, in denen wissenschaftliche, gesellschaftspolitische oder kulturelle Themen behandelt werden. Die Teilnehmer hören Vorträge von Fachleuten, stellen Fragen an die Referenten und diskutieren die Themen untereinander im Plenum oder in Gruppen. Dabei wird angestrebt, daß zu einem Problemkreis unterschiedliche Auffassungen vorgetragen werden. In der Regel wird eine Arbeitstagung mit einem »Akademie-Forum« abgeschlossen. In dieser Gesprächsrunde versuchen Referenten und Fachleute die Thematik abzurunden und auf Fragen aus dem Teilnehmerkreis einzugehen.

Die Teilnehmer wohnen während dieser Veranstaltungen im allgemeinen unmittelbar am Tagungsort. Im Rahmen der Möglichkeiten werden vor allem bei längeren Tagungen auch Gelegenheiten zu musischer Aktivität und zur Entspannung eingeplant. Außer den Arbeitstagungen führt die FREIE AKADEMIE von Fall zu Fall auch Seminare oder Symposien zu ausgewählten Themen durch.

5. Veröffentlichungen

Neben den Veranstaltungen spielen die Veröffentlichungen in der Arbeit der FREIEN AKADEMIE eine wesentliche Rolle. Es werden zwei Arten von Veröffentlichungen herausgegeben, eine Schriftenreihe und ein Rundbrief.

Aufgabe der Schriftenreihe ist es, Arbeitsergebnisse zusammenzufassen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich meist um die Dokumentation einer Tagung, bei Bedarf ergänzt und abgerundet durch weitere Beiträge zum jeweiligen Themenkreis. Die Schriftenreihe erscheint in zwangloser Folge; es wird jedoch angestrebt, mindestens einen Band pro Jahr herauszugeben. Verleger ist die FREIE AKADEMIE selbst. Jedes Mitglied der FREIEN AKADEMIE erhält jeweils ein Exemplar kostenlos. Im übrigen läuft der Vertrieb über den Angelika Lenz Verlag und den Buchhandel.

Der Rundbrief ist ein Kommunikationsorgan für die Mitglieder und Freunde der FREIEN AKADEMIE. Er heißt »Die FREIE AKADEMIE« und trägt den Untertitel »Nachrichten und Meinungen«. Er enthält vor allem Berichte über durchgeführte Veranstaltungen, Vorankündigungen, Mitteilungen der FREIEN AKADEMIE und sonstige Hinweise. Der Rundbrief wird als Manuskript gedruckt und kommt nicht in den Buchhandel. Er wird an Mitglieder und Freunde der FREIEN AKADEMIE kostenlos abgegeben. Umfang und Erscheinungsweise richten sich nach den aktuellen Erfordernissen und Möglichkeiten; normalerweise erscheinen ein bis zwei Rundbriefe im Jahr.

6. Die Organisation

Die FREIE AKADEMIE ist ein eingetragener Verein. An seiner Spitze steht das Präsidium, das die Geschäfte des Vereins führt. Es wird vom Wissenschaftlichen Beirat unterstützt.

Das von der Mitgliederversammlung gewählte Präsidium leitet die Arbeit der FREIEN AKADEMIE. Dazu gehören insbesondere die Vorbereitung und Durchführung von Arbeitstagungen sowie die Herausgabe der Schriftenreihe und des Rundbriefes. Das Präsidium beruft bei Bedarf

  • die Wissenschaftlichen Leiter von Tagungen,
  • die Technischen Tagungsleiter,
  • den Schriftleiter der Schriftenreihe.

Zur Unterstützung des Präsidiums, insbesondere zur Planung der wissenschaftlichen Arbeit besteht der Wissenschaftliche Beirat. Seine Aufgabe ist es, das Präsidium bei der Vorbereitung von Veranstaltungen zu beraten, vor allem im Hinblick auf die zu behandelnden Themen. Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats sowie die Wissenschaftlichen Leiter von Tagungen brauchen nicht Mitglieder der FREIEN AKADEMIE zu sein.

Die FREIE AKADEMIE kann ihre Ziele besser verwirklichen, wenn sie nicht nur intern für sich arbeitet, sondern fruchtbare Kontakte nach außen pflegt. Sie sucht deshalb den Dialog und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Vereinigungen und Institutionen. Dabei ist es das besondere Anliegen der FREIEN AKADEMIE, aus ihrer weltanschaulich und politisch unabhängigen Position heraus zu dieser Zusammenarbeit beizutragen